Zillertaler Heumandl

ca. 1965, erzählt von Klaus Seebauer

Damals waren wir alle schon etwas besser motorisiert, um in die Berge zu kommen: Der Hans hatte eine 350er NSU-Consul, der Witt hatte dem Walter seine 250er NSU-Max abgekauft, ich bekam für DM 100.- seine alte 250er NSU-OSL und der Sepp erwarb eine gute 250er BMW. Natürlich hatte der Sepp als erster eine Vorrichtung zum Befestigen für unsere Tourenschi beim Mehlhart nach Feierabend erfunden. So gerüstet fuhren wir beide (Sepp vorne, hinten drauf 2 große Rücksäcke, Pickel, Schi, Stöcke und ich) um 3 Uhr früh los Richtung Zillertal. Wir wollten – und haben das auch dann- eine Schitour auf die Berliner Spitze und andere Hornspitzen machen. Es war Frühsommer, und die erste Heuernte hing im Zillertal schon auf den hölzernen Heumandeln, die lhr alle kennt. Die Straßenführung war damals noch ganz anders als heute: Es gab natürlich weder die lnntal-Autobahn, noch die jetzt vorhandene, geradlinige Schnellstraße ins Zillertal. Also eine Kurve links, eine rechts, eine links usw.

Irgendwo im Zillertal, so zwischen Kaltenbach und Zell am Ziller, es war gerade dämmrig, ist der Sepp dann eingeschlafen und in einer Linkskurve geradeaus gefahren: Erst ging‘s durch einen alten, wackeligen Holzzaun, dann einen Meter bergab in eine Wiese und direkt in ein Heumandl. Jetzt waren wir beide wieder wach, das Motorrad war genauso unbeschädigt wie wir, es lag quer, der Motor lief noch, und weil auch noch ein Gang drin war, drehte sich das Hinterrad. Wir mussten es nur wieder auf die Straße raufbringen, alles vom Heu befreien…. und weiter gings! Von da an ging alles noch besser, und es wurde eine schöne, frühsommerliche Schitour. Natürlich haben wir uns beim Heimfahren „unser Heumandl“ angeschaut, ohne stehen zu bleiben!