Gletschertouren im Ötztal

ca. 1964, erzählt von Klaus Seebauer

In einem Sommer der 60er-Jahre durchquerten der Sepp und ich die Ötztaler Alpen. Anreise erfolgte mit Eisenbahn und Bus bis Vent. Die Gipfel, die von der Breslauer und der Vernagthütte aus zu machen waren, sind „abgehakt“. Jetzt gings zur Brandenburger Hütte. Es hatte ordentlich geschneit, die kalte Nacht brachte Frost, und so starteten wir von der hochgelegenen Brandenburger Hütte Richtung Weißkugel über weiße Gletscherflächen, auf denen man ohne Einbrechen wunderbar gehen konnte. Der Sepp mit dem Seil im Rucksack weit voraus, ich hinten nach. Ohne sichtbares Zeichen auf der weißen Fläche brach ich plötzlich ein, und nur durch meinen großen Rucksack, der auf festen Untergrund fiel, blieb mir der Fall in die Tiefe der Spalte erspart. Die Beine hingen leer durch. Gott sei Dank hat mir meine Tante beizeiten gelernt, mit den Fingern zu pfeifen – das tat ich jetzt, so laut es ging. Sepp hatte von meiner misslichen Lage nichts mitbekommen, er beeilte sich zurück und warf mir das Seil zu.

Ab hier gings auf dem Gletscher nur noch angeseilt weiter, mit 2 Prusikschlingen und immer schön am gestrafften Seil.