Die Klausner

ca. 1920-er Jahre, erzählt von Hans Rucker

Die Tiroler unterschieden zwischen den Almsennern und den Touristen, die meist im Winter eine Hütte gepachtet hatten und die sie Alminga nannten. Alle, die irgendwie mit der Klausen und deren Umgebung zu tun hatten, wurden bei uns „die Klausner“ genannt. Die etwas tiefer gelegene Obere Baumgartenalm hatte mein väterlicher Freund Willi während des Winterhalbjahres bis 1966 gepachtet. Mein Groll gegen die Klausen war dank der verstrichenen Zeit auch weg, sodass ich oft mit den Tourenskiern von der Baumgarten auf die Klausen raufspurte, um dann eine herrliche Pulverschneeabfahrt über die freien Hänge des Klausenschinders zu genießen.

Die oben schon erwähnte Kogelhütte hatten zwei Aschauer, der Thedy und der Sepp, sowie der in Frasdorf wohnende Muggl um 1924 selbst gebaut. Um die schwierige Finanzierung während der damaligen Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen, beschlossen die drei Freunde, sogenannte Bausteine zum Kauf anzubieten, deren Käufer dort Urlaub machen konnten. Auch organisierten sie die ersten Heimatabende für die Urlaubsgäste in der Aschauer Festhalle, deren Erlös wiederum dem Kogelhüttenbau zufloss.

Dann gab es noch die Lawinenhütte, die diesen Namen erst erhielt, als sie in einem schneereichen Winter schon vor dem 2. Weltkrieg von einer Lawine aus dem Gegenhang umgedrückt wurde. Sie stand etwa eine halbe Gehstunde vor der Klausenhöhe am Klausenschinder, also an der Ostseite des Klausenberges. Sie war von Aschauer Bergsteigern erbaut, wurde aber nach dem Schaden, den ihr die Lawine zufügte, nicht mehr aufgebaut.

Ebenfalls von Aschauer Bergsteigern wurde am Weg von der Klausen zur Feichten, etwa am Fußanfang des Zinnenberges, die „Blechhütte“ in den Zwanzigerjahren erbaut. Den Namen erhielt sie, weil sie außen fast ganz mit Blech beschlagen war. Sie wurde während des 2. Weltkrieges, als ihre Erbauer an der Kriegsfront waren, nicht mehr gewartet und wurde hernach ebenfalls ein Opfer der Stürme, die in regelmäßigen Abständen über diesen Höhenrücken tobten.

Wie viele gemütliche Stunden verbrachten all diese Erbauer wohl, wenn sie droben in der Klausen-Bergwirtschaft beieinander hockten und mancher Liter Tiroler Roten durch ihre Kehlen floss. Da spielte dann der Klausen-Sepp (ein Tiroler aus Maria Stein) mit der Harfe, der Thedy mit der Gitarre und der Muggl mit der Ziehharmonika auf. Neben den bekannten Gstanzl’n dichtete der Thedy noch manchen Vers selbst dazu:

An Hansei hat d’Mondsucht dawischt
Er hat d’Loater ans Fenster hig’richt
Und kraxelt zum Kammerfenster nauf.
Geh Liesei, geh Liesei mach auf!
Lisei, i bitt, i bitt
Lass mi da nei in d’Mitt
Druck mi nur ganz fest hi,
dass i a drinna bi
Glei wer i drinna sei
D’Mondsucht is sakrisch fei.

Da Hansei hat d’Mondsucht verlorn
Und ’s Lisei hat’s hint und hats vorn
Si werd wia da Vollmond so rund
Und der Hansei, der is pumperlgsund
Er schleicht si beim Mondschein davo
Hoffentlich steckt er net no a paar o!

Einige Male bekam ich als ganz junger Pimpf noch ein paar Brocken dieser Stimmungen mit. Dann redeten sie über Skifahrtechniken, und die Eigenschaften der verschiedenen Hölzer zur Skiherstellung wurden in Bezug auf Pulver- oder Firnschnee-Eignung begutachtet. Eines Abends sagte der Huaterer Martin zu mir: „Ös junga Hupfa wisst’s ja nimmer, wia ma an Telemark fahrt.“ Ich kannte diesen Skifahrerstil wohl auch nur vom Hörensagen. Tags darauf zeigte mir der Huaterer diese etwas absurd aussehende Skifahrertechnik, bei der an einem Fuß die Ferse angehoben wird. Das ging damals noch mit den alten Langriemenbindungen, oder auch durch extremes Lockern der meist gebräuchlichen Seilzugbindungen. Ich lachte über den „alten Schmarrn und so eine blöde Skifahrtechnik“. Niemals hätte ich gedacht, dass dieser Stil 40 Jahre später mit einer extra dafür konzipierten Bindung wieder aufersteht.