Die Feuersteine

ca. 1967, erzählt von Klaus Seebauer

Meines Wissens ist es nur dem Feuersteiner Sepp vergönnt, dass er und seine Familie eigene Berge hat: In den Stubaier Alpen gibt es zwei Dreitausender und einen Fast-Dreitausender, die zur Familie Feuerstein gehören. Aber schön der – chronologisch – korrekten Reihe nach: In jener Zeit hatten einige von uns bereits geheiratet. Auch auf den Sepp hatte die holde Weiblichkeit des öfteren schon ein Auge geworfen. Der Sepp hatte sogar mal einen Schatz, der diesen Namen trug. Auch ich hatte zu jener Zeit schon ein Auto erstanden gegen den ausdrücklichen Widerstand meines Vaters. Der grasgrüne VW Käfer vom Franz für 400 DM und mit 150.000 km auf dem Buckel, den ein Breznfenster zierte, durfte anfangs nur ein Stück weiter oben in Trautersdorf parken, damit sich Papa nicht allzu ärgern musste. Aber wir brauchten für unsere Zillertal-Fahrten ein Dach über dem Kopf, denn nach jedem Gipfel und beim sonst schönsten Wetter, erwischte uns beim Heimfahren ein Gewitter.

Wir, die Gabi, ich, der Sepp und seine damalige Freundin (der Name ist dem Autor schon noch bekannt) fuhren also ins Stubai und gingen auf die Nürnberger Hütte. Am Morgen darauf, beim Abmarsch zur Gletschertour auf die Feuersteine zierte sich die Dame: „Da gehe ich nicht mit!“ Warum auch immer. Kein Problem für uns, da gingen wir eben zu dritt. Auf dem ersten Gipfel, dem östlichen Feuerstein, 3.258 m hoch, holte ich einen Piccolo aus dem Rucksack: „Sepp, musst halt für zwei trinken!“ Dann bestiegen wir den Westlichen Feuerstein, 3.245 m hoch, wo es den nächsten Piccolo gab. Auch hier musste Sepp die Ration für zwei Personen trinken, ganz wie im „Dinner for One“. Und schließlich musste noch der Apere Feuerstein, 2.965 m hoch, und der dritte Piccolo dran glauben.

Die auf der Nürnberger Hütte gebliebene Dame wunderte sich natürlich schon, warum wir gar so beschwingt daherkamen. Aber, ganz nach Feuersteiner-Art, schwiegen wir eisern.