Der Nudelbaum

ca. 1923, erzählt von Hans Rucker

Nördlich der Klausen-Bergwirtschaft stehen nur einen Steinwurf weit weg zwei Almkaser. Einer davon wurde immer als „Wimmer-Hütte“ bezeichnet, vermutlich weil der Wimmer Hans dort einmal Pächter war. Eigentlich war nach dem 2. Weltkrieg immer eine Gruppe junger Aschauer dort beisammen. Der Schorsch von Hub erzählte mir diese amüsante Geschichte:

Da san ma am 1. Weihnachtstag auf d‘ Klausen ganga, der Hans, der Franz und i. Damals vor der Währungsreform war d’Fresserei knapp. Aber i hab von dahoam a Packl Nudeln obidraht und a Drumm frischen Speck hab i a no eipackt, damit d‘ Nudeln leichter rutschen, und weil mia erst vor kurzem a Sau abg’stocha ham.

Dann hat da Franz beim Aufigeh am Klausenschinder no a schöns, kloans, grad g’wachsenes Fichtenbamerl abgschnitten des mir dann als Christbaum auf unserer Hütt’n herrichten wollten. Aber droben angekommen, steckten wir des Bäumerl vor die Hütten in Schnee nei, sperrten die Hüttentür auf, heizten sofort richtig ein, und damit wir uns auch von innen schnell aufwärmten, ham mir in der Klausen-Wirtschaft a Viertel Tiroler Roten getrunken.

Aber des san na no mehra Viertel worn. Auf’m Ofen von der Wirtschaft ham mir dann unsere Nudeln kocht. Mit’m Speck und der net geringen Dreigab vom Rotwein ham mir an Hunga und an Durscht scho besiegt. Mitten in dera gmüatlichen Stimmung erinnert mi der Franz an des kloa Christbamerl des no im Schnee draußt steckt. Sag i zu eahm: Mia wern uns doch jetzt net no die Arbeit mit dem Christbamerl odoa, wo’s da herin so griabig is. Morgen ham ma gnua Zeit, dass mir den Christbaum herrichten. Und dann ham mir halt no a paar Viertel Tiroler Roten mehra trunka, wie vielleicht g’sund gwen waar. Mir drei san ziemlich bsuffa zu unserer Hütt’n umitorkelt und ham uns a glei ins Bett nei g’legt. Einschlaffa ham ma a net glei könna, weil sich in der Schlafkammer alles umadum draht hat. Und dann is uns alle drei schlecht worn. Oana nach dem anderen is ans Fenster hi und hat die guaten Nudel aussigspiem. I siech’n heut no, an Franz, wia er am anderen Tag vor der Hüttentür drauß steht, und die Augen zuzwickt, weil eahm die schräge Wintersonne ins G’sicht scheint, na schaut er an Christbaum o und schreit zu uns eina: „Der Christbam is ja a scho wunderbar g’schmückt, mir brauchan gar nix mehr hinhringa, weil er voll von lauter rote Nudeln is!“