2. August – Kamine dahoam

von Buchner Josef

Wie schon in einem vorherigen Beitrag berichtet möchten wir in unserer Montags-Klettergruppe das alpine Klettern oder zumindest das alpine „Softsportklettern“ etwas mehr in den Vordergrund rücken. Insbesondere die heimischen Berge mit ihren mittlerweile sanierten Touren laden ja förmlich dazu ein.

Diese schönen Touren im mittelschweren Bereich waren früher halt doch ziemlich ernst. Erst mal mussten damals die Beschreibungen in den Kletterführern entschlüsselt werden. Textuelle Tourenbeschreibungen sind mittlerweile nicht mehr jedermanns Sache und leider für viele gar nicht mehr verständlich. Stattdessen haben sich bildliche Darstellungen in Topos, Wandbildern und Zeichnungen durchgesetzt. Möglich wurde dies mit neuen Techniken der Fotografie und der digitalen Verbreitung. Dies entspricht ganz allgemein einer geänderten Art und Weise, wie wir solche Informationen verstehen können und aufbereitet sehen wollen.

An diesem schönen Augusttag waren hohe Temperaturen angesagt. Ursprünglich war für dieses Wochenende eine Begehung der Wiederroute auf die Mittelspitze am Watzmann geplant. Diese Tour wird auch die „Kleine Ostwand“ genannt. Im Laufe der Woche hatten sich nur noch zwei tapfere Begeher gemeldet, und aufgrund der Hitze stimmten wir uns ab, dass eine schattigere und etwas kürzere Tour für unseren Kreislauf besser wäre. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste und möchte nicht wegen Kreislaufproblemen die Bergwacht in Anspruch nehmen müssen 😉

Ludwig hatte dann die gute Idee mit dem Sockel am Totenkirchl am Wilden Kaiser. Hier gibt es von der ersten zur zweiten Terrasse schöne klassische Kaminklettereien. Ich war hier noch nie beim Klettern und kenne den Abstieg vom Totenkirchl nur aus anderen Touren von der Ostwand oder Westwand. Es ist ein sehr schöner Weg von der Stripsenjoch-Hütte hinüber zum Sockel, gleich ein netter felsiger Steig, ein kleines Wändchen runter – sehr schöne Sportklettertouren die ganze Zeit um uns herum. Das wäre auch ein super Gelände für den nächsten Kletterkurs. Mit Ludwig bin ich mir sicher, dass wir da hinschauen werden.

Wir kamen dann gemütlich an der ersten Terrasse an und mussten feststellen, dass wir nicht die einzigen waren, die diese Idee hatten. Das letzte Mal hatten wir am Gerstfeld so viele Seilschaften vor uns, und die Geschwindigkeit war jetzt auch nicht so flott. Ist aber alles gut, jeder soll die Möglichkeit haben, an diesen schönen Bergen solche feinen Touren klettern zu dürfen. Die Fertigkeiten für diese Art Touren kommen ja auch nicht einfach vom Himmel gefallen, und dafür bieten sich solche Touren geradezu an.

Wir begannen einfach mal unsere Sachen anzulegen und die Topos zu studieren. Es gab etwas links davon auch Routen, zwar etwas schwieriger und verhältnismäßig gut gesichert, wenn auch „verhältnismäßig gut“ eine subjektive Bewertung ist.

Wir starteten einfach mal links in der Frack-Route, kamen aber nicht über die Schlüsselstelle hinweg. Auch kein Stress, einfach mal nach rechts in die andere Route queren und dort versuchen hochzukommen. Ging leider auch nicht, bzw. ich traute mich halt einfach nicht…. Passt , dann nehm ma halt den Haken da her, lässt mich runter, unten pendeln, oder ich quer zum Stand vom Christ-Fick-Kamin, und dann sind wir eh‘ in der anfänglich geplanten Tour.

Gesagt, getan – wir querten, seilten ab, und in der Zwischenzeit hatte sich auch der Stau aufgelöst. Wir waren alleine in der Tour. Nun ging es die schönen Kamine nach oben, und zakradi! Ich war froh über die Sanierung der Route. Das Ganze geht zwar mit altem Material auch, aber mit den neuen Bohrhaken ist es einfach stressfreier. Hmmm — ich glaub, die Sturm- und Drangzeit nimmt einfach mit dem Alter ab ….

Spreizen, klemmen, schrubben – und schnaufen nicht vergessen! Damit kamen wir dann auf der zweiten Terrasse an. Das erste Mal direktem Sonnenlicht ausgesetzt, puuuh — ist das warm. Noch kurz rauf, und dann an den Felsen gelehnt, dort war noch Schatten 🙂

Runter ging es Richtung Führerweg, und diesen benützend zur ersten Terrasse und weiter zur Strips. Dort angekommen, na ja — da gab es dann einfach was zum Trinken, ging ned anders 🙂

Heute war wieder ein wirklich sehr schöner Tag mit einer interessanten Klettertour und liebgewonnenen Freunden….

Topo-Studium am Einstieg
Blick zu den Touren – der markante Kamin in der Mitte ist der Christ-Fick-Kamin
Klettern in der Sakko und Bügelfalte
Schlüsselstelle der Sakko und Bügelfalte
Im Christ-Fick-Kamin nach der schwierigen Kaminlänge
Am Ende der Tour auf der zweiten Terrasse — Blick Richtung Kleiner Halt und Ellmauer Halt
Schöner Tiefblick zur Strips
Abseilen am Führerweg
Gegenüber die markanten Führernadeln